Düsseldorf, 22.3.2025 (ÄkNo). Mehr als sechs Milliarden Euro betrug das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen Ende letzten Jahres. Angesichts dieser prekären Finanzlage hat die Kammerversammlung der Ärztekammer Nordrhein heute in Düsseldorf Sofortmaßnahmen gefordert, mit deren Hilfe sich Einsparungen realisieren lassen, ohne die Patientenversorgung zu verschlechtern.
Aus Sicht der nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte müssen die gesetzlichen Krankenkassen schnellstmöglich von versicherungsfremden Leistungen entlastet werden. Wenn der Bund seiner Verpflichtung nachkäme, beispielsweise allein eine sozialpolitische Leistung wie den Krankenversicherungsbeitrag von Bürgergeldempfängern auskömmlich aus Steuern zu finanzieren, könne das die Kassen um bis zu zehn Milliarden Euro entlasten. Angesichts knapper Kassen müsse auch der Zugang der Patientinnen und Patienten besser gesteuert werden – sowohl in der Notfall- als auch in der Regelversorgung. Die Fehlinanspruchnahme von Gesundheitsleistungen sei nicht nur teuer, sondern auch belastend für Patienten und medizinisches Personal gleichermaßen. Zudem müsse das Gesundheitswesen dringend von überbordender Bürokratie entlastet werden. Dokumentationspflichten, die keinen unmittelbaren Nutzen für die Behandlung hätten, führten bei den Beschäftigten im Gesundheitswesen zu großer Unzufriedenheit und Frustration, zumal die Zeit, die für Bürokratie aufgewendet werde, für die Patientenbehandlung fehle. Schließlich müsse die vom Bundestag im vergangenen Oktober verabschiedete Krankenhausreform an entscheidenden Stellen nachgebessert werden, um vor allem kleine bedarfsnotwendige Krankenhäuser auf dem Land nicht zu benachteiligen. Dazu gehörten die Einführung einer echten Vorhaltevergütung, die insbesondere die Kosten für das Personal in der unmittelbaren Patientenversorgung berücksichtige, und flexiblere Regelungen für die erforderliche Zahl an Fachärzten, wenn eine Klinik bestimmte Leistungen erbringen wolle.
"Die Stabilisierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung ist im Wahlkampf weder ausreichend diskutiert noch als Problem wahrgenommen worden", sagte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Dr. Sven Dreyer. "Doch wenn hier nicht schnell substanziell gegengesteuert wird, laufen die Kosten auch in diesem Jahr wieder aus dem Ruder. Das Krankenkassendefizit von mehr als sechs Milliarden Euro aus dem letzten Jahr muss ein Weckruf sein." Wenn die Kassen nicht mehr solvent seien, dann träfen die Folgen Patienten und Leistungserbringer gleichermaßen. "Union und SPD sind jetzt aufgefordert, Reformvorschläge zur nachhaltigen Sicherung der ambulanten und stationären Versorgung in der Stadt und auf dem Land in ihrem Koalitionspapier festzuhalten", erklärte Dreyer.
ÄkNo
Verschreibung von Medizinal-Cannabis nur im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt
Ja zur ePA, wenn sie sicher ist und die Patientenversorgung verbessert
Chancen und Risiken von KI in der Medizin
Berichterstattung zum 3. Kammerversammlung am 22. März 2025
Entschließungen der Kammerversammlung am 22. März 2025 im Wortlaut