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Gendermedizin

Geschlechtssensibilität in Studium und Forschung verankern

14.03.2025 Seite 10
RAE Ausgabe 4/2025

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 4/2025

Seite 10


Die Aufnahme von genderspezifischen Themen in die Curricula der Humanmedizin forderte kürzlich die Ärztekammer Berlin, damit in der medizinischen Forschung und Therapie Frauen nicht benachteiligt werden. An der Uniklinik der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen kümmert sich bereits seit 2010 eine Arbeitsgruppe (AG) um die Implementierung von Aspekten der Gendermedizin ins Studium und in die Forschung. Zum Beispiel untersuchen zwei Wissenschaftlerinnen die biologischen Unterschiede der Geschlechter. Diese würden in der Forschung bisher wenig beachtet, was Medizinwissenschaftlerin Dr. rer. nat. Sandra Kraemer und die Biotechnologin Dr. rer. medic. Elisabeth Zechendorf ändern möchten. Unterschiede gebe es zum Beispiel bei Krankheitssymptomen, die bis auf die Zellebene reichten. Die Forscherinnen beschäftigen sich in der Klinik für operative Intensivmedizin unter anderem mit geschlechtersensibler Medizin. Das Ziel der Gendermedizin sei es, die Grundlagen für eine Medizin zu schaffen, die den biologischen und soziokulturellen Unterschieden zwischen Frauen und Männern gerecht werde, wie die RWTH mitteilte. Als einen Erfolg verzeichnet die Aachener AG Gendermedizin die Etablierung von geschlechtersensibler Sprache in der Lehre. In den Studiengang Medizin wurde der Profilbereich „Gender and Diversity in der Medizin – Mehr als nur Frau und Mann“ integriert, was auf reges Interesse gestoßen sei, so Zechendorf. Neben den geschlechtersensiblen Aspekten würden weitere Gesichtspunkte wie Alter, Herkunft, religiöse Zugehörigkeit, sexuelle Identität sowie körperliche und psychische Merkmale betrachtet. Neben der individuellen Lebensweise wirkten diese Faktoren ebenfalls auf das gesundheitsrelevante Verhalten der Geschlechter und prägten die Entstehung, Wahrnehmung und den Verlauf von Krankheiten und damit die Diagnostik und Therapie in der Medizin, so die RWTH. Daher liege der Fokus der AG Gendermedizin auf der weiteren Implementierung von gender- und diversitätssensiblen Faktoren in das Curriculum des Aachener Modellstudiengangs Medizin.    

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