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Gutachten 2024

Sachverständigenrat empfiehlt Primärarztsystem

08.05.2024 Seite 7
RAE Ausgabe 6/2024

Rheinisches Ärzteblatt

Heft 6/2024

Seite 7

Patienten besser durchs System steuern: Dafür sprechen sich sowohl der Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege als auch die Bundesärztekammer aus. © Daniel Laflor/istockphoto.com

Die Etablierung eines Primärarztsystems hat der Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege in seinem aktuellen Gutachten empfohlen, das er am 25. April in Berlin vorstellte. Dazu müssten sich die gesetzlich Krankenversicherten flächendeckend bei Haus- oder Kinderärzten registrieren. Damit ließen sich die Patientinnen und Patienten besser in die für ihre Erkrankung angemessene Versorgungsebene steuern. Zugleich werde Überversorgung vermieden, was unter anderem zur Entlastung der angespannten Fachkräftesituation beitragen könne, so die Sachverständigen. 

Für eine bessere Versorgungssteuerung und Koordination der Patientinnen und Patienten hat sich im Vorfeld des 128. Deutschen Ärztetages im Mai in Mainz auch der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, ausgesprochen. Das Thema sei aktueller denn je und ein Schwerpunkt bei den Beratungen der 250 Delegierten der 17 Landesärztekammern. Deutschland sei das einzige Land, in dem die Patienten entschieden, wo sie Leistungen in Anspruch nehmen, sagte Reinhardt. Angesichts immer komplexer werdender Versorgungsstrukturen seien die Menschen damit aber zunehmend überfordert. „Wir brauchen eine stärkere Steuerung“, forderte Reinhardt. Die gelte es aber sorgfältig gegen das hohe Gut der freien Arztwahl und der Patientenautonomie abzuwägen. 

Der Forderung des Sachverständigenrats nach einer Quotierung der Facharztweiterbildung erteilte Reinhardt eine Absage. Statt staatlicher Planungsvorgaben gelte es, attraktive berufliche Rahmenbedingungen für die Ärztinnen und Ärzte zu schaffen.     HK